Unterm Rain 8

Unterm Rain 8
Unterm Rain 8 - Geschaefte-Laeden-Manufaktur-und-Kolonialwarenhandel-Daniel-Grund-Unterm-Rain-Jahr-unbekannt-viell.-Mitte-1930er-Jahre-Gerhard-Grund

Daniels

Unterm Rain 8

I

Daniel Grund * 18.01.1844 in Unnegrunds + 19.12.1915 Daniels, Sv. Daniel Grund * 04.12.1802 Land
oo 03.11.1871 Land Elisabeth Luise Böhl aus Enes * 15.01.1857 + 01.06.1940 in Daniels,
Tv. Joh. Heinrich Böhl * 28.03.1816 + 03.08.1882 & Elisabeth Anna Lückel * 03.04.1822 in Schmieds/Althaus + 16.06.1909 in Enes.

  • 02.08.1866 Christian    oo 22.11.1890 Friederike Harth aus der Mühle → s. II
  • 22.02.1874 Heinrich + 04.02.1905 Lungengeschwindsucht(Er lernte das Kaufmännische in Burgsteinfurt an der niederländischen Grenze.)

II

Christian Grund (Schneider u. Kaufmann) * 02.08.1866 + 08.11.1930 Herzkrampf, Sv. I
oo 22.11.1890 Land Friederike Harth * 16.08.1868 Mühle/Schüllarhammer + 30.10.1937 Herzschlag in Daniels,
Tv. Mühlenpächter Gg. Philipp Harth * 15.07.1836 + 1877 & Sophie Katharina Dreisbach.

  • 12.05.1891 Ernst Emil Christian + 17.07.1891
  • 15.03.1893 Elfriede — oo nach Weidenau, Familie Buch (Fritz, Eisenwalzwerk)
  • 15.10.1896 Johanna + 11.06.1971, ledig
  • 19.07.1899 – nur Grund – + 19.07.1899
  • 26.09.1900 Magdalena + 23.10.1962 — oo Wilh. Steuernagel, Justizoberinsp. * 1900 + 1961 Blb.
  • 26.05.1904 Elisabeth + 30.07.2002 — oo Willi Ohrendorf, Bilanzbuchh. * 1908 + offen
  • 28.01.1907 Christian + 04.07.1978 — oo 1942 Elisabeth Ottilie Georg → s. III
  • 03.02.1910 Martha + 29.04.1998 — oo 1938 Joh. Josef Prentice, Förster Kraftsholz * 07.07.1909

III

Christian Grund * 28.01.1907 Daniels + 04.07.1978, Sv. II
oo 1942 Elisabeth Ottilie Georg * 28.12.1907 Burbach-Holzhausen + 29.04.1998 Daniels.

  • 17.04.1943 Gerhard Christian, ledig
  • 22.09.1946 Heinrich — oo Sieglinde, leben in Schwarmstedt (Niedersachsen)
  • 31.10.1949 Martin + 23.07.2016 Wemlighausen, ledig

Erzählungen von Heinrich und Gerhard Grund

Anfang der 1880er Jahre erwarben die Eheleute Daniel & Elisabeth Grund, geb. Böhl das kleine Besenludwigs- oder Josthenrichshaus, Unterm Rain 8. Sie begannen bald mit einem Kolonialwarenladen, der ihnen ausreichende Einnahmen versprach. Sie nahmen sogar alte Lumpen an. Das waren gebrauchte, verschlissene Wäsche und Kleidungsteile, bei denen es sich nicht mehr lohnte, sie zu flicken oder zu stopfen. Die gesammelte Kleidung wurde von Daniel Grund und später auch mit seinem Sohn Christian weiterverkauft. Sie brachten die Lumpen nach Berleburg zum Bahnhof (1911) und luden sie in Waggons. Diese fuhren dann in Städte, wo daraus Papier hergestellt werden konnte. Die Nachfrage nach Papier war in dieser Zeit groß und wuchs. Bei ihrem Einsammeln und dem Transport halfen ihnen die hier in der Gegend ansässigen Sinti. Diese waren sehr arm und froh, wenn sie etwas Geld oder Lebensmittel als Lohn bekamen. Das Geschäft war wohl sehr rentabel, denn Grunddaniels konnten ihr Wohnhaus, den Stall und die Scheue immer wieder vergrößern. Sogar die gegenüberliegende Scheune wurde als Warenlager und Verkaufsraum mit einbezogen.

Als 1930 Christian plötzlich an Herzkrampf verstarb, konnte Sohn Christian, der auch Kaufmann gelernt hatte, das Geschäft weiterführen. Der Kolonialwarenladen war im weiten Umfeld bekannt. Viele Kunden kamen aus den umliegenden Orten, um ihre guten Hühnereier hier einzutauschen für andere Lebensmittel. In den 50er Jahren bekam man für ein frisches Hühnerei einen Brathering. Um ein Porzellanservice oder Essbesteck für die Aussteuer zu bekommen, musste man nicht nach Berleburg, das gab es auch bei Daniels zu kaufen.

Ab 1863 gab es Petroleum für die Lampen und Leuchten für das Haus, den Stall und für die Fuhrwagen. Bei Daniels im Treppenhaus zum Keller stand ein Petroleumtank, der einen eigentümlichen Geruch verbreitete. Hieraus konnte das Petroleum in kleinere Gefäße abgefüllt und verkauft werden. Auch Dienstmädchen wurden eingestellt, die in dem großen Haushalt, im Geschäft und in der Landwirtschaft mithalfen. Eine davon war Christine Elisabeth Ochse aus dem Waldeckischen Hessen. Sie heiratete 1936 Theophil Lauber aus Bernhardshaus in Wemlighausen, An der Lindenstraße 27. Mit ihrem gut beladenen Brautwagen blieb sie in Wemlighausen.

Anfang der 50er Jahr begann Christian Grunds Nichte Renate Ohrndorf eine kaufmännische Lehre bei Daniels. Nach dem 1. Jahr musste ihr aber in Berleburger Krankenhaus ein Bein amputiert werden. Erst 2 Jahre später konnte sie ihre Ausbildung fortführen und zwar in Hessen, in der Nähe von Gießen. Dort legte sie auch ihre Prüfung ab. Sie kam zurück nach Wemlighausen und fing wieder in Grunddaniels als Kauffrau an. Ihr Onkel Christian aber ließ sie nicht so arbeiten, wie sie es gelernt hatte. Deshalb wechselte Renate zur Firma Landhandel Harth unter der Leitung von Ernst Schlapbach nach Berleburg. Sie machte dort gut und gerne die Bilanzbuchhaltung bis zu ihrer Heirat 1968 mit Klaus Birnbacher. Sie erinnert sich aber noch gerne an die Zeit bei Daniels. Z.B. fuhr Christian Grund vor der Weihnachtszeit nach Wuppertal und kaufte Spielwaren. Diese wurden dann von Renate in Regalen im Laden ausgestellt und nach Weihnachten war alles verkauft. Renates Mutter hat erzählt, dass ihr Großvater Daniel zu Ostern Eier färbte und diese an die Kinder im Dorf verschenkte.

Auch Gerhard Grund, Sohn von Christian und Elisabeth, hatte zuerst nach der Volksschule eine kaufmännische Ausbildung zu Hause gemacht. Aber schon Ende der 50er Jahre gab es immer mehr Konkurrenzgeschäfte in Berleburg. Durch die Motorisierung kam die Bevölkerung leichter in die Stadt. Auch bei Daniels wurde 1959 der 1. Traktor gekauft, 1961 das 1. Auto, ein Ford mit Weltkugel. Damit wurden die beiden Pferd arbeitslos, ebenso die beiden Kühe zum Fahren. Milch wurde aber weiter an die Molkerei geliefert, bis 1971 die Landwirtschaft abgeschafft wurde.

Gerhard fing Anfang der 60er Jahre bei der Firma Keune und Lauber in Berleburg an, aber mit weniger Stundenlohn, weil er ein ungelernter Arbeiter war. 2 ½ Jahre später wechselt er zur Schaumstoff in Berleburg. Nach weiteren 17 Jahren ging er 1980 zur Luwa-SMS auf der Herrnwiese nach Berleburg. Bis er mit 62 Jahren in 2005 in Ruhestand ging, musste er noch eine Zeit lang nach Dillenburg zu Arbeit fahren. Ein Feuerausbruch hatte seinen Arbeitsplatz auf der Herrnwiese zerstört. In den ersten Jahren seines Ruhestandes konnte sich Gerhard seinem Hobby, der Taubenzucht mit deren vielen Ausflügen, widmen. Er ließ sogar ein Taubenhaus oberhalb vom Wohnhaus errichten. Gerhard freute sich immer sehr, wenn seine Taubenschar Rundflüge oberhalb der Häuser machte. Er lockte sie mit seinem Pfeifen zur Fütterung ins Taubenhaus zurück. Gerhard bekam viele Auszeichnungen für seine Tauben und hatte einen großen Bekanntenkreis unter den Taubenzüchtern. Aus Gesundheitsgründen musste er seine Taubenzucht 2017 aufgeben. Er gab seine guten Tauben an andere Züchter weiter und blieb mit diesen noch lange in Kontakt.

Gerhard wohnte seit 2015 allein im Haus „Unterm Rain 8“. Ab 2023 brauchte er Unterstützung und Pflege; sein Bruder Heinrich besorgte ihm einen Pflegeplatz im Dorotheenhof in der Nähe seines Wohnortes.

1948 errichteten die Eheleute Willi und Elisabeth Ohrndorf, geb. Grund Am Hillerbach 14 ein Fertighaus. Das Baugrundstück bekamen sie aus dem Besitz des Elternhauses von ihrem Bruder Christian. In den nächsten 15 Jahre kamen auf den Ländereien von Grunddaniels noch einige Häuser dazu: Nr. 12, 16,18,20,22.

Gerhards Bruder Heinrich *22.09.1946 in Wemlighausen machte eine Ausbildung zum Schlosser und heiratete 1970 seine Frau Sieglinde in Wolfsburg. Sie bekamen 3 Kinder: Tabea, Sonja und Daniel.

Gerhard wohnte seit 2015 allein im Haus „Unterm Rain 8“.
Ab 2023 brauchte er Unterstützung und Pflege; sein Bruder Heinrich besorgte ihm einen Pflegeplatz im Dorotheenhof in der Nähe seines Wohnortes.

Aufgeschrieben von Karin Strackbein/Enes

 

 

Änderung vorschlagenLetzte Aktualisierung am 12. April 2026.