Zeitzeugenberichte und ErinnerungenGeschäfte und Läden in Schüllar-Wemlighausen
Wie wurde die Versorgung unserer Bürger im 19. und 20. Jahrhundert gewährleistet? Vorort gab es zahlreiche Geschäfte, in denen Lebensmittel und sonstige Waren zum Kauf angeboten wurden. Es wurden fast alle Bereiche abgedeckt. Was man zum täglichen Leben benötigte, konnte in unseren Dörfern erworben werden. Diese Läden bezeichnete man damals teils als Kolonialwarenläden und Manufakturen. Ein Kolonialwarenladen war ein Geschäft, in dem Nahrungs- und Genussmittel aus Übersee, Kolonien angeboten wurden, z. B. Kaffee, Tee, Kakao, Gewürze, Tabak und sonstige Spezialitäten. In den Läden wurde alles angeboten. Es gab keine standardisierten Verpackungsgrößen. Die Warenmengen wurden abgepackt und abgewogen. Manufakturen boten alles an, was man im Haushalt benötigte.
Heute bezeichnet man die Läden als Tante-Emma-Läden. Die gibt es aber nur noch selten zu finden. Die beiden letzten Nahversorger in unseren Gemeinden schlossen ihre Geschäfte Anfang des 21. Jahrhunderts.
Die Menschen, damals überwiegend die Frauen, trafen sich beim Einkauf zu einem Schwätzchen, und die neuesten Dorfnachrichten wurden ausgetauscht. Man nahm sich einfach die Zeit bzw. musste sich die Zeit nehmen. Die Ware aus dem Regal nehmen, in den
Einkaufswagen und dann zur Kasse. Das gab es damals nicht, als Kunde wurde man bedient. Heute, in der schnelllebigen Welt, ist dies nicht mehr so möglich. Die Leute hetzen von Termin zu Termin. Die gute, gemütlicher erscheinende „Alte Zeit“ gibt es nicht mehr.
Heute fährt man mit dem Auto in die Stadt. Aldi, Lidl, Rewe, Hit, Rossmann und der Drogeriemarkt bieten eine Fülle von Angeboten über Lebensmittel, Haushaltswaren bis hin zu Wäsche und Kleidung.
Kennt ihr die Geschäfte und Läden noch? Wer erinnert sich?
Nachstehend einige Beispiele, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Vieles ist auch in den Hauschroniken notiert.

Hosfelds, Schüllar, Am Polizeiweg 10
Hier wurden Lebensmittel, Berufsbekleidung, Schürzen und Haushaltswaren aller Art angeboten.

„Steinwirt“, Dickel, Schüllar, Am Stein 3
Neben der Gaststätte wurden noch ein kleiner Krämerladen und eine Poststelle betrieben.

Starkes „Dittmans“ Edith, Wemlighausen, Unter der Kirche 6
Haushaltswaren, Geschenkartikel und Elektrogeräte. Reparaturen waren jederzeit bei Ihrem Ehemann, Starke Fritz, sofort möglich.
Fritz führte einen Elektrobetrieb.

Ludwig Fuchs, Heinrich Sommer
„Sommersch“, Schüllar, Am Bergesweg 14
Kurt Heinz Sommer in seiner Werkstatt.

Heinrich Spies, Schneidermeister,
Schüllar, Schüllarhammer 2

Adolf Althaus, Baugeschäft,
Schüllar, Am Stein 2

„Klooses“ Hermann, Schuhgeschäft,
Wemlighausen, Unterm Rain 16
Schuhfachgeschäft mit Reparaturservice, Schuhe in Maßanfertigung.
Auf dem Foto links:
Das Schuhgeschäft von Hermann Kloos
und der V.I.V.O. – Laden von Grunds Lissi.


„Unnegrunds“ Lissi, Homrighausen,
Wemlighausen, Unterm Rain 15
Lebensmittel, Waschpulver, Tabak und Spirituosen, Milchgeldausgabe. Karl Konrad Grund betrieb eine Schneiderwerkstatt. Anzüge nach Maß, Änderungen von Kleidungen aller Art. Er nähte und stickte die erste Fahne für den Kriegerverein Schüllar-Wemlighausen.

„Anstreichers“
Malergeschäft Althaus, Wemlighausen,
Unterm Rain 4
Heute ist das Malergeschäft in Bad Berleburg ansässig. Siehe Hauschronik.
Althaus Raum-Ideen. Mehr als nur Farbe.

Daniels „Grunds, Grundsdaniels“,
Wemlighausen, Unterm Rain 8
Kolonialwaren und Manufaktur.
Lebensmittel, Stoffe, Medikamente, alles was
das Herz des ländlichen Haushalts begehrte.
Es konnte auch mit frischen Eiern bezahlt
werden.

Dienst Willi, Wemlighausen, Unterm Rain 1
Nähzubehör, Reißverschlüsse, Nähgarn, Uhrenbänder, Fahrradschläuche. Hier gab es einfach
alles.
Belzes Inge, Wemlighausen, Auf dem Sand 5
Geschenkartikel, Fahrradzubehör und alles, was sonst noch in den landwirtschaftlichen Betrieben benötigt wurde. Werkzeuge, Ketten, Nägel usw.



„Sand Friedchen“, Dickel, Schulte,
Wemlighausen, Auf dem Sand 7
Lebensmittel, Getränke, Geschenke, Trockentücher, Unterwäsche, Porzellan und Schnuck.
Später Gutkauf.
Gisela Schulte führte das Geschäft bis zur Aufgabe 2021.
„Jörges“, Tante Erna, Wemlighausen, An der Lindenstraße 37
Das Geschäft wurde 1934 eröffnet. Verkauft wurden Lebensmittel aller Art. Alles war lose, die Waren wurden abgepackt und abgewogen. Später wurde das Warenangebot um Stoffe, Schürzen und Ähnliches erweitert. Es war alles in einem Raum.
Schon 1897 gründet die Familie Joh. Georg Grund eine Holzwarenfabrik. „Küchengeschirr aus Holz“ für die Hausfrau. Nach einem Brand 1922 wurde für den Neubau überwiegend Buchenholz verwendet



„Wesse“ Fretz, Dickel Friedrich,
Dickel Werner, Wemlighausen,
An der Lindenstraße 16
Sattlerei und Polsterei. Neuanfertigungen aus Leder und sämtliche Reparaturen wurden ausgeführt.
Verkauf von Schulranzen und Lederwaren.

„Lotzes früher Lodzes“, Aderholds Lina,
Wemlighausen, An der Lindenstraße 12
Kolonialwaren, Geschirr, Getränke, Stoffe, Schürzen und alles Mögliche andere. Erbauer und Namensgeber des Hauses war
Lodzes-Lod, Ludwig Aderhold.
Die Geschichte des Ladens, sowie die Entstehung des Tiefbau-Unternehmens, wurde von Gudrun Dickel geb. Aderhold ausführlich
aufgeschrieben. Siehe Hauschronik.

Dickel Adolf, Wemlighausen, An der Lindenstraße 10
Verkauf und Reparatur von Schuhen aller Art. Adolf war Schuhmachermeister.

Kellerwirt, Auf dem Keller
Wemlighausen, An der Lindenstraße 22
Ludwig Aderhold Senior
Gasthof, Manufaktur- Kolononialwarenhandlung


Stellmacherei Fritz Homrighausen,
später Ewald Homrighausen, Wemlighausen,
An der Lindenstraße 32
„Wanersch“
Gesellen-Prüfungs-Zeugnis
Fritz Homrighausen

Wittgensteiner Holzwaren-Industrie
G.m.b.H., Hermann Wahl
Wemlighausen, Im Gängelchen

Bäckerei Weber, Bäckersch
Wemlighausen, An der Hohle 4
Die Bäckerei verfügte über eine große Backstube. Es gab täglich frisches Brot, Kuchen, sowie Gebäck nach Wunsch und auf
Bestellung.
Später wurde ein Lebensmittelladen mit Selbstbedienung eingerichtet.
Die Bäckerei wurde 2006 geschlossen, und die Backwaren wurden von der Bäckerei Gerke aus Langewiese angeliefert. Christiane führte den Laden bis zur Schließung im Februar 2017. Siehe auch Hauschronik.
Einleitender Text: Heinrich Althaus
Geschäfte und Läden: Luise Süreth, ElmarBeckmann, Heinrich Althaus
Fotos: verschiedene Lieferanten
