Zeitzeugenberichte und ErinnerungenSportverein und Badeanstalt
In der Volksschule Schüllarhammer wurde noch mit dem Griffel auf eine Schiefertafel geschrieben. Es war das Jahr 1932. Ein Jahr der Krisen, der Wahlen und des Sports.
Die Wahl des Reichspräsidenten fand im März/April statt. Der Reichstag wurde gleich zweimal gewählt. Seit 1920 wurden wieder olympische Sommer- und Winterspiele durchgeführt. Einige Sportarten, u. a. Boxen, Radsport und Fußball, wurden immer beliebter. Sport hieß damals Leibesertüchtigung. Das Wort Fitnessstudio war im Vokabular noch nicht vorhanden.
Es gab in unseren Dörfern schon seit längerer Zeit Bestrebungen, die sporttreibende Jugend in einem Verein zusammenzuschließen. Im Juli 1932 war es endlich so weit, berichtete das Wittgensteiner Kreisblatt in seiner Ausgabe vom 8. Juli. Man hatte sich in der Volksschule Schüllarhammer zu einer Versammlung zwecks Gründung eines Sportvereins getroffen.
Zweiunddreißig Jugendliche erklärten sich bereit, in den Spiel- und Sportverein 1932 einzutreten. Zum provisorischen Vorsitzenden wurde Hauptlehrer Langenbach ernannt. Vorsitzender und Vorstand sollten bald auf einer Generalversammlung gewählt werden. Langenbach hatte sich schon länger für die körperliche Ertüchtigung der örtlichen Jugend starkgemacht. Schwerpunkte des Vereins sollten der Fußball und Bewegungsspiele sein. Ein bei der Separation vorgesehener Sportplatz sollte genutzt und durch die Mitglieder ausgebaut werden. Der Spiel- und Sportverein Schüllar-Wemlighausen 1932 wurde gegründet.
Vielleicht hatte der Verein nur ein kurzes Dasein. Am 5. März 1933 wurde erneut im Deutschen Reich gewählt. Die Organisationen der NS übernahmen auch in unseren Dörfern das Kommando, und es begann die Zeit der Gleichschaltung auf allen Ebenen. Sport wurde nach wie vor großgeschrieben. Sportwettkämpfe wurden durch die Partei organisiert. Vielleicht wurde der Sportverein Schüllar-Wemlighausen in diesem Zuge wieder aufgelöst, noch bevor er richtig zu existieren begann. Das ist aber nicht bewiesen. Die Bautätigkeit in den Gemeinden war in den 30er-Jahren enorm und dies in allen Bereichen. Ob im Straßenbau, Gewässerbegradigung oder im Gebäudebau. So zogen die Gemeinderäte der beiden Dörfer 1938 auch den Bau einer Badeanstalt in Erwägung. Die Gemeinden dachten auch immer wieder über eine Zusammenlegung von Schüllar und Wemlighausen nach. Verwaltungstechnische und wirtschaftliche Gründe sprachen offensichtlich dafür.
Es gab einen Gesamtschulverband, eine Ortsgruppe der NSDAP und eine Kirchengemeinde. Alle Gliederungen, Verbände und Vereine waren zusammengeschlossen. Die Badeanstalt wurde aber nicht gebaut, möglicherweise aus Kostengründen, wahrscheinlicher aus Kriegsgründen. Im September 1939 begann der Zweite Weltkrieg.
Julius Langenbach, Hauptlehrer der Volksschule, wurde 1945 in den Ruhestand versetzt. Der Schieß- und Schützenverein nutzte ab 1950 die Sportanlage auch als Festwiese, wie bereits vor dem Weltkrieg. Nach den Festen mussten die Schüler das Sportgelände nach vergessenen Glasscherben und Unrat absuchen, damit die anvertrauten Kinder ohne Gefahr Schulsport ausüben konnten. Es soll öfter Streit zwischen Hauptlehrer Graf und dem Verein gegeben haben, sodass manches Mal der Schulausschuss schlichtend eingreifen musste. Die Volksschule Schüllarhammer führte auf dem Gelände die Schulsportausbildung und bis Ende der 50er Jahre die
Bundesjugendspiele durch.
Die TKM Steinböcke nutzte den Platz für Fußballfreundschaftsspiele und Turniere. Ein Fußballturnier der örtlichen Vereine fand 1987 unter großer Beteiligung statt.
Der Platz wurde und wird bis heute vielfältig genutzt. Der Sportplatz wurde in den vergangenen Jahren unter anderem als Ausweichstart- und Landeplatz für die Rettungsdiensthelikopter am Bad Berleburger Krankenhaus genutzt.
Eigentümer ist der Verein für Kultur- und Heimatpflege e.V. Schüllar-Wemlighausen.
Eine Badeanstalt wurde hier nicht gebaut. Dennoch gab es reichlich Gelegenheit für die Jugend, sich bei warmem Wetter und hohen Temperaturen in den Gewässern, die durch unsere Dörfer fließen, abzukühlen. Am einfachsten war es, mal schnell durch
das Marienwasser oder die Odeborn zu „lattschen“. Das geschah entweder barfuß oder mit leichtem Schuhwerk. Es wurde die Tierwelt im Wasser begutachtet, man versuchte sich im Fangen von Fischen oder sonstigen Wassertieren. Meistens endete der Spaziergang im Wasser mit gegenseitigem Bespritzen des erfrischenden Nasses und der Spaß war riesig.
An den heimischen Bächen gab es auch mehrere Badestellen, die man „Kump“ nannte. Als Kump bezeichnet man eigentlich ein fest installiertes, steinernes oder metallisches Wasserbecken, meist an öffentlichen Plätzen. Ein Kump bezeichnet aber auch ein tiefes, rundes oder rechteckiges Becken bzw. Gefäß.
In Wemlighausen gab es im Marienwasser „Hansjörges Kump“, der etwas abseits des Wohngebäudes lag. Neben dem Wasserrad der Mühle in Schüllarhammer gab es auch einen Kump, zwar recht klein, aber zum Planschen und Abkühlen von mehreren Kindern reichte es aus. Manch ein Becken im Garten ist heute genauso groß oder größer. Bekannter waren vielleicht die Kümpe in der Odeborn.
Bäckersch Kump und Schäfersch Kump. „Bäckersch Kump“ war unterhalb der Heiderbrücke gelegen und soll sehr tief gewesen sein. Der Kump begann hinter dem Wehr. „Schäfersch Kump“ war auch Anfang bis Mitte der sechziger Jahre noch sehr beliebt und diente vielen Jugendlichen als Badestelle. Die Wehranlage ließ das Oberwasser steigen, und das Wasser war ruhig und tief genug, um erste Schwimm- und Tauchversuche zu unternehmen. Badezeit bedeutete natürlich, dass die Wiesen längst gemäht waren. Die Liegewiese befand sich am rechten Ufer der Odeborn.
Text: Heinrich Althaus
Quellen:
Wittgensteiner Kreisblatt: 08.07.1932
National Zeitung: 16.01.1939
Eigene Erinnerungen,
Erzählungen, Aufzeichnungen
Fotos:
Archiv SSV,
W. Roth




