Enos
An der Lindenstraße 26
(Haus „Enes“, lt. Mehldau Haus Nr. 4)
Hausinschrift & Bauzeit
Das Haus Enes befindet sich in einem sehr guten baulichen Zustand, mit
charakteristischen Ecksäulen und dem vollendeten geschnitzten
„Wilden Mann“.
Baumeister: Johannes Gräbe — Anno 1687
Thuet hinweg den eigenen Willen
so habet keine Hölle mehr.
Wer an Christus glaubt und fürchtet Gott
dem mangelt nichts weder hier noch dort.
Anno 1687
Der Hausname Enos könnte nach Bahlow vom Vornamen Einhard abgeleitet sein. Ob Enos (1) und Enos (2) wirklich Vater und Sohn waren, ist bei einer Altersdifferenz von etwa 45 Jahren fraglich; wahrscheinlicher ist ein Onkel–Neffe-Verhältnis.
Pfarrer Winckel über Johannes Böhl (Generation IX):
„Er war ein gottesfürchtiger, sehr arbeitsamer Mann, der auch sein Haus als das wohlstehendste Bauernhaus hinterlassen hat. Ich habe viel Liebes und Gutes von ihm erfahren, mich oft mit ihm über die Zeit unterhalten und dieselbe durch sein Wort recht erkennen lernen.“
Genealogie & Besitzerfolge
I. Johannes (Hans) Homrighausen (Enos)
* 1563~ — erste bekannte Generation Enos.
II. Johannes (Hans) Homrighausen (Enos)
* 1608 — vermutlich Neffe des I.
III. Weigand Böhl & Margarete (Krämer)
Weigand Böhl
* 1630 + 1666 (Schwiegersohn)
oo vor 1659 Margarete NN (Krämer)
* 1634 + 1691
IV. Johannes Saßmannshausen & Margarete (Krämer)
Johannes Saßmannshausen
* 1628~ + offen
oo 1667 Margarete (Krämer) (Witwe des Weigand Böhl)
* 1634 + 1691
V. Johann Weigand Böhl & Anna Elisabeth Müsse
Johann Weigand Böhl
* 1666 + 1733, Sohn von III
oo 1697 Anna Elisabeth Müsse
* 1672 + 1742
VI. Johannes Böhl & Anna Elisabeth Müsse
Johannes Böhl
* 1701 + 1770, Sohn von V
oo 1734 Anna Elisabeth Müsse (*1672 +1742)
VII. Johannes Böhl & Anna Elisabeth Krämer
Johannes Böhl
* 1734 + 1812, Sohn von VI
oo 1762 Anna Elisabeth Krämer
* 1739 + 1798
VIII. Johannes Böhl & Anna Katharina Fuchs
Johannes Böhl
* 1766 + 1821, Sohn von VII
oo 1790 Anna Katharina Fuchs
* 1763 + 1813
IX. Johannes Böhl & Anna Elisabeth Friedrich
Johannes Böhl
* 1795 + 1876, Sohn von VIII
oo 1814 Anna Elisabeth Friedrich
* 1785 + 1863
X. Johann Heinrich Böhl & Anna Elisabeth Lückel
Johann Heinrich Böhl
* 1816 + 1882, Sohn von IX
oo 1840 Anna Elisabeth Lückel
* 1822 Schmeds, Wemlighausen + 1909 Enes
9 Kinder:
- Luise *24.08.1840 +11.06.1926 Schüllar
oo 1859 Johann Friedrich Dickel (*01.12.1833), Gast- u. Landwirt „Vorm Stein“ in Schüllar, +1906. - Johann Philipp *05.12.1841 +12.09.1842 Schüllar
- Katharina *23.12.1843 +06.02.1849 Schüllar
- Kind ohne Vornamen *16.02.1846 +16.02.1846 Schüllar
- Elisabeth Luise *15.01.1847 +01.06.1940 Wemlighausen
oo 1871 Daniel Grund (*18.01.1844 „Daniels“, Unterm Rain 8, †1915) - Johann Georg *27.01.1849 +14.03.1849 Wemlighausen
- Johann Georg *28.03.1850
oo 1872 Anna Elisabeth Kroh (*01.03.1843 Kiepe, +1903)
Landwirt in Kiepe (heute Im Oberdorf 1), +23.02.1934. - Katharina *06.09.1851
oo 1874 Georg Philipp Spies (*20.09.1832, Müller u. Uhrmacher in Girkhausen „Unterm Damberg“) – Ehe kinderlos; sie +10.09.1941, er +1911. - Caroline *19.01.1854 — siehe XI
oo 1874 Girkhausen Franz Ludwig Homrighausen aus dem Dambach (*1850) - Johann Ludwig *23.05.1858 +11.03.1907
oo 1885 Berghausen Katharina Born (*13.09.1860 +1917), Wagner/Stellmacher in „Sanerts“, Berghausen. - Georg Heinrich *10.11.1862 Enes
oo 16.06.1886 Louisville, Jefferson/Kentucky Maria Louisa Henriette Frickhoeffer (*1866 +1901), 6 Kinder.
1881 Auswanderung von Bremen nach Louisville/USA. Besuch der alten Heimat am
07.06.1934 (Dampfer „Europa“) nach 53 Jahren; +1941 in Amerika. - Friedrich Wilhelm *16.11.1866
oo 1892 Raumland Christiane Dreisbach (*01.02.1865), Wagner im „Müllerhaus“ Balde/Melbach;
er +24.03.1962 Balde, sie +15.06.1950 Melbach.
XI. Franz Ludwig Homrighausen & Caroline Böhl
Franz Ludwig Homrighausen (Landwirt)
* 19.07.1850 Dambach + 01.03.1922 Enes, jüngster Sohn des Revierförsters
Georg Philipp Christian Homrighausen (*1800, Dambach).
oo 27.09.1874 Caroline Böhl
* 1854 + 18.11.1940 Enes, Tochter von X.
4 Söhne:
- Heinrich *25.12.1880 – siehe XII
- Franz Ludwig *15.02.1883 – oo Schneidershaus, Schüllar
- Friedrich *09.07.1885 – oo Wagnershaus, Wemlighausen
- Carl *09.09.1888 – oo Geradshaus in Rinthe
Über Franz Ludwig berichtet Wilhelm Dickel (Röttges, Girkhausen) nach Georg Homrighausen (Hof Dambach): Die Abfindung der zahlreichen Böhl-Geschwister war eine große Last, die er ohne Schulden bewältigte. Pfarrer Koch in der Grabrede: „Dies war ein Mensch ohne Feinde.“
XII. Heinrich Homrighausen & Wilhelmine Rück
Heinrich Homrighausen
* 25.12.1880 Enes + 1976, Soldat im 1. Weltkrieg, Sohn von XI
oo 25.05.1905 Wilhelmine Rück *01.11.1883
aus „Schäfers“, Schüllar + 04.03.1957 Krankenhaus Berleburg
4 Kinder:
- Emilie *13.08.1905 – oo Laubroth, Dotzlar
- Paula *02.10.1909 – oo nach „Nölges“, An der Lindenstraße 31
- Heinrich *05.05.1913 – siehe XIII
- Rudolf *04.05.1924 +31.12.1945, vermuteter Todestag bei Kämpfen im früheren Jugoslawien.
XIII. Heinrich Homrighausen & Lina Grauel
Heinrich Homrighausen
* 05.05.1913 Enes + 1976, Sohn von XII
oo 1942 Lina Grauel
* 05.01.1921 Winterbach + 16.02.1998 Enes
Tochter von Georg Wilhelm Grauel (*23.10.1887 +12.08.1973 Winterbach)
und Luise Stenger (*27.09.1890 Hobes +19.06.1966 Winterbach).
1 Tochter:
- Karin *14.04.1960 – siehe XIV
XIV. Heinrich Georg (Heiner) Strackbein & Karin Homrighausen
Heinrich Georg (Heiner) Strackbein
Landwirt, Metzger, LKW-Fahrer
* 22.04.1953 Diele, Diedenshausen
Sohn von Fritz Strackbein (*1908 +1976) und
Minna Dickel, verw. Böhl (*1918 Neuhaus +1993 Diele).
oo 25.08.1978 Karin Homrighausen
* 14.04.1960 Enes, Tochter von XIII.
4 Kinder:
- Simone *02.01.1979 – oo 2001 Marvin Julis (*1976), Wunderthausen
- Ute *30.06.1980 – oo Volker Treude (*1968), Diedenshausen
- Jens *23.03.1983 – ledig
- Susanne *11.03.1988 – oo 2014 Christian Strackbein (geb. Althaus)
Die Eheleute leben im Deller-Haus im Winterbach.
Nach der Geburt der 4 Kinder gab es neben der Landwirtschaft auch in der Familie viel Arbeit. Es reifte der Entschluss, dass Heinrich-Georgs Zwillingsbruder Friedrich-Adolf mit seiner Familie nach Wemlighausen ziehen könnte, um in der Landwirtschaft zu helfen. Aus einem Scheunenteil wurde eine neue Wohnung gebaut und 1987 kurz vor Weihnachten konnten Friedrich-Adolf und Ellen Strackbein mit ihren beiden Töchtern Claudia und Monika dort einziehen. Die Wohnung war zunächst als Altenteil gedacht. 2006 konnte dann Friedrich-Adolf mit seiner Familie wieder zurück nach Diedenshausen in das alte „Christhaus, Zum Heiligenholz 2“ ziehen.
In Wemlighausen wird heute die Landwirtschaft mit Mutterkühen und Mastbullen von Sohn Jens Strackbein geführt.
Jüngere Hausgeschichte (ab ca. 1875)
Lina Homrighausen (geb. Grauel) war Tochter von Georg Wilhelm Grauel (*1887 +1973 Winterbach) und Luise Stenger aus Hobes (*1890 +1966). Die Hochzeit mit Heinrich Homrighausen fand während des Zweiten Weltkriegs statt, als Heinrich auf Heimaturlaub war. Seit 05.02.1939 war er in Frankreich stationiert und musste anschließend an die Ostfront.
Am 08.05.1945 geriet Heinrich in russische Kriegsgefangenschaft und verbrachte vier Jahre in Arbeitslagern. Am 05.05.1949 kehrte er schwer gezeichnet zurück; Frettlöhs Fritz-Adolf holte ihn in Siegen
vom Bahnhof ab. Heinrichs Vater war zu diesem Zeitpunkt bereits 69 Jahre alt, die Landwirtschaft wurde bis dahin mit Ochsen und Fahrkühen betrieben, während Heinrich im Krieg mit Pferden („Kavallerie“) gefahren war.
Nun wollte er zuhause auch lieber mit Pferden arbeiten. Im Mai 1954 kauften sie zwei Pferde, die Stute Liese und den Wallach Max. Am 2. Mai 1957 kam der 1. Traktor (ein Deutz) auf den Hof, um die Wagen mit Heu, Stroh und Mist aufs bzw. vom Feld zu ziehen. Auch das Brennholz konnte damit aus dem Wald zum Haus gefahren werden. Heinrich jr. hatte dafür den Führerschein erworben. Das Fahren mit Traktoren war eine große Herausforderung für die neuen Fahrer. Im Sommer 1964 fuhr Heinrich mit dem 1. selbstladenden Ladewagen um Heuaufladen auf die Wiesen. Nun brauchten die Nichten Luise Graf und Irmgard Born nicht mehr beim Aufladen helfen. Am 15. Okt. 1968 kaufte er die 1. Motorsäge. Bis dahin hatte sein Neffe Manfred Lückel (Nölges) für ihn die Bäume abgesägt und danach konnten Heinrich und Lina sie entasten.
Da die Ehe von Heinrich und Lina zunächst kinderlos blieb, verfassten Heinrichs Eltern ein Testament: Sollte es keinen Enkel im Haus geben, sollte Gisela Seifert vom Laubroth den Hof übernehmen. Gisela wurde nach ihrer Konfirmation 1956 im Enes-Haus aufgenommen, während ihre ältere Schwester Irmgard zu Hause am Laubroth blieb. Mit der Geburt von Karin am 14.04.1960 änderte sich die Situation; Gisela konnte zwei Jahre später Fritz Strackbein in Schäfershaus (Diedenshausen) heiraten.
In Wemlighausen wurden ca. 10,40 ha landwirtschaftliche Flächen sowie 10,64 ha Wald bewirtschaftet. Diese Flächen blieben nach der Separation (Flurbereinigung) 1931–1932 übrig. Bei der Separation musste jeder Bauer Land an die Gemeinde abgeben; Heinrich Homrighausen war als Vermessungshelfer beteiligt.
Im Kuhstall standen 6–7 Milchkühe, die in den Jahren 1948–1950 vom Pflegejungen Ferdie Lemke gehütet wurden. Lehrer Graf hatte ihm die Stelle als Hütejunge auf Enes vermittelt, da seine alleinstehende Mutter ihre Kinder kaum versorgen konnte. Ferdie bekam Kost und Schlafplatz im Haus, trieb morgens vor der Schule die Kühe an die eingezäunte Wiese am kleinen Hillerbach, mittags wurden sie von Lina zum Melken geholt, nachmittags hütete er sie unter dem Homberg und erledigte dabei seine Hausaufgaben. Oft versuchten die Tiere, zu besserem Gras auf Nachbarflächen auszubrechen, was den Hütejungen
immer wieder auf die Probe stellte.
Nach Ende der Schulzeit konnte Ferdie mit seiner Mutter ins Siegerland nach Holzhausen ziehen. Dort erwarben sie ein kleines Haus mit Grundstück für 19.000 Mark. Dieses leerstehende Haus wurde von
Elisabeth Grund vermittelt, die aus Holzhausen stammte und in Danielshaus eingeheiratet hatte. Im Siegerland gab es bessere Verdienstmöglichkeiten.
Aufgeschrieben von Karin Strackbein, geb. Homrighausen (Enes).
Quellen u. a.: Jochen Karl Mehldau, Hauschroniken 1500–1875, Bad Laasphe 2017;
Georg Homrighausen, Hof Dambach; Pfarrer Winckel.

