


Wesse (Wiesenhaus)
An der Lindenstraße 16 – frühere Haus-Nr. 6
Bewohnerfolge
I. Generation
Friedrich Dickel
* 05.02.1870 Pauls + 04.12.1957 Wesse
oo 1895
Katharina Dickel
* 25.09.1870 Hobes + 09.03.1960 Wesse
II. Generation
Friedrich Dickel (Sattlermeister)
* 12.08.1896 + 07.03.1972 Wesse
oo 16.05.1924
Karoline Lina Luise Weber
* 24.08.1896 Kappelieses (Schüllar) + 10.05.1988 Wesse
Kinder:
31.03.1925 Ruth + 23.02.2023 Bad Berleburg
25.12.1926 Werner (siehe III) oo 23.08.1957 Erika Weiß
Pflegekind: Helga Hess – später verheiratet, Wohnort: Eisern/Siegerland
III. Generation
Werner Dickel
* 25.12.1926 + 16.07.2023 Wesse
oo 23.08.1957
Erika Weiß
* 02.12.1930 Richstein + 03.08.2016 Wesse
Kinder:
30.04.1958 Christoph
01.08.1961 Andreas
30.05.1964 Johannes
Das Haus
aufgeschrieben von Christoph Dickel
1896 baute Friedrich Dickel (sen.), der aus Peiwels stammte, ein einfaches einstöckiges Haus auf die Wiese, um darin Platz für seine neu gegründete Familie zu haben. Der neue Bauplatz führte wohl auch zu dem Hausnamen – Wesse. Die Wiese gehörte zum Elternhaus von Friedrich Dickel. Zum Haus gehörten auch ein Stall und eine Scheune für die kleine Selbstversorgerlandwirtschaft. (2 Kühe, 1 Kalb, Hühner, 1 Schaf, 2 Schweine)
1936 wurde im Winter auf das einstöckige Haus noch eine Etage aufgestockt. Es war dabei so kalt, dass die Zimmerleute der Zimmerei Stark und Söhne sich ab und zu wieder in der warmen Küche aufwärmen mussten. Im Haus wurde dann auch die Sattlerwerkstatt für Sohn Friedrich und später dessen Sohn Werner untergebracht.
Mitte der 50ger Jahre, nachdem Werner die Meisterschule besucht hatte, wurde eine Werkstatt neben das Haus gebaut und im Haus wurden ein Ladenlokal (Gardinen und Lederwaren, sowie ein Ausstellungsraum mit Schaufenster (Teppiche, Vorhänge) untergebracht.
1964 nach der Aufgabe der Landwirtschaft (die Anschaffung von neuen Maschinen lohnte sich nicht) wurde noch einmal umgebaut, so dass im Haus mehr Wohnraum entstand. Die ehemalige Scheune diente dem THW als Garage für einen LKW. 1983 wurde das Haus zu einem Zweifamilienhaus um und ausgebaut.
Die Bewohner:
Die Bewohner des Hauses waren über drei Generationen Handwerker mit einer Nebenerwerbs-landwirtschaft.
1. Generation:
Nachdem sie am 1.3.1895 geheiratet hatten, zogen 1896 Friedrich Dickel (sen.) (geb. 5.2.1870, gest. 4.12.1957), aus Peiwels; und Katharina Dickel, geb. Dickel (geb. 24.9.1970, gest. 9.3.1960), aus Howe, in das neu gebaute Haus.
Friedrich Dickel war Zimmermann und arbeitete bei der Firma Stark und Söhne (Zemmermanns) in Berleburg. Ihre beiden Kinder waren Friedrich (jun.) (geb. 12.8.1896, gest. 7.3.1972) und Karoline.
2. Generation:
Friedrich Dickel (jun.) erlernte in Siegen den Beruf des Sattlers und Polsterers und machte später auch die Meisterprüfung.
Die Sattlerei:
Die Hauptaufgabe der Sattler war die Maßanpassung und Herstellung von Arbeits- und Kutschengeschirren für Pferde, Kühe und Ochsen. Kummete, Halfter, Brustblätter und Zaumzeug, Sättel, Kutschenausstattungen und Wagenplanen, aber auch Taschen und Tornister wurden hergestellt. Mit der Industrialisierung entwickelte sich die Transmissionssattlerei als selbstständiges Handwerk, das mit der Elektrifizierung wieder verschwand. Im ländlichen Bereich zogen die Sattler oft von Hof zu Hof. Mit der weiteren Entwicklung der Industrie verlagerte sich der Arbeitsbereich der Sattler stärker auf Reparaturen. Die LKWs in der Industrie und die Traktoren in der Landwirtschaft verdrängten die Pferde und anderen Arbeitstiere immer mehr. So wurden die Sattler stärker in anderen Arbeitsfeldern tätig. Die Polsterei, vorher Teilbereich der Arbeit beim Aufpolstern der Sättel oder bei der Innenausstattung der Kutschen, entwickelte sich zum Haupterwerb der Sattler.
In den 50ger Jahren, als die neue Werkstatt gebaut wurde, war die Sattlerei noch in vollem Gange. Allein die Fa. Stark und Söhne in Berleburg hatte 3 Pferdegespanne für den Holztransport. Und viele Ochsen und Kuhgespane der Bauern aus der Umgebung, deren Zugkraft beim Pflügen, Eggen und Ernten gebraucht wurde mussten in Ordnung gehalten werden.
Friedrich Dickel heiratete am 16.5.1924 in Berleburg Karoline (Lina) Luise Weber (geb 24.8.1896, gest. 10.5.1988), aus Kapplieses (Schüllar). Ihre Eltern waren Johann Georg Weber, aus Kapplieses (geb. 9.4.1866, gest. 24.1.1966) und Karoline Weber geb. Dickel (geb. 3.7.1870, gest. 20.12.1954), aus Kempers.
Friedrich und Lina Dickel hatten 2 Kinder, Ruth (geb. 31.3.1925, gest. 23.2.2023) und Werner (geb. 25.12.1926, gest. 16.7.2023).
Dazu kam als Pflegekind Helga Hess. Nach der Schule lernte sie in einem Arzthaushalt in Berleburg und heiratete nach Eisern im Siegerland.
Karoline Dickel heiratete Hermann Schärer und lebte in Frankenberg, später Bad Berleburg. Der einzige Sohn Fritz-Hermann fiel im 2. Weltkrieg.
In manchen Zeiten gab es im Haus auch andere Bewohner. Nach der Aufstockung 1936 zogen Ernst Grund (aus Unnegrunds) und Else Grund, geb. Weber (aus Bäckers) in die neu entstandene Wohnung. Ihr Sohn Ernst Christel wurde hier geboren und das Besondere war, dass sie zu der Zeit schon ein Grammophon besaßen. Das war etwas wirklich Neues und brachte schöne neue Klänge ins Haus. Etwa 1941 bekam dann auch Familie Dickel das erste Radio.
In der Kriegs- und Nachkriegszeit kam es zu verschiedenen Einquartierungen im Haus. Ausgebombte Menschen aus Dortmund fanden Unterschlupf und es lebte auch einige Zeit eine Familie Nölling mit ihren 12 Kindern in zwei Zimmern. Der Vater der Familie stammte aus der Nachbarschaft (Drehwilhems).
3. Generation:
Ruth Dickel lebte bis zu ihrem 40. Lebensjahr im Haus, hatte in der Stadtverwaltung Berleburg gelernt, arbeitet später bei der Kreisverwaltung in Bad Berleburg und schließlich nach der kommunalen Neugliederung in der Verwaltung des Kreiskrankenhauses. Sie baute in Bad Berleburg ein eigenes Haus, blieb ihrem Elternhaus und der Familie immer eng verbunden, besuchte mit über 97 Jahren noch ihren Bruder im Haus und verstarb einen Monat vor ihrem 98ten Geburtstag.
Werner Dickel erlernte nach der Schulzeit ebenfalls den Beruf des Sattlers und Polsterers, der aber zu der Zeit schon zum Beruf des Raumausstatters wurde. Er lernte in Laasphe. Um den Weg gut bewältigen zu können, kaufte der Vater Fritz für ihn ein Motorrad. Direkt nach der Gesellenprüfung 1943 kam er zur Wehrmacht. Er meldete sich zur Marine, kam nach dem Arbeitsdienst in Ede an verschiedene andere Stellen in Holland, wo er auch das Kriegsende erlebte. Nach kurzer Kriegsgefangenschaft wurde er im August 1945 in Emden nach Hause entlassen.
Die Arbeit in der Raumausstattung erweiterte sich durch Fußbodenbeläge und auch Gardinen. Mitte der 50ger Jahre besuchte Werner die Meisterschule in Frankfurt.
Wieder zu Hause gründete er selbst Familie. Am 23.8.1957 heiratete er Erika Dickel, geb. Weiß (geb. 2.12.1930 in Richstein, gest. 3.8.2016). Sie war die Tochter des Fürstlichen Oberförsters Ewald Weiß (geb. am 25.11.1902 in Fischelbach, gest. 16.4.1989 in Wemlighausen) und Martha Weiß geb. Mengel (geb. am 30.9.1900 in Oberndorf, gest. am 15.11.1988 in Wemlighausen).
Erika war in Richstein, Hainhof und Fischelbach aufgewachsen. 1985 dann zogen ihre Eltern ins umgebaute Haus in Wemlighausen mit ein, um hier ihre letzten Lebensjahre zu verbringen.
Die drei Söhne von Werner und Erika Dickel sind Christoph geb. 30.4.1958, Andreas, geb. 1.8.1961 und Johannes, geb. 30.5.1964.
Mit ihnen endete die Handwerkstradition im Haus, Sie alle gingen zur Ausbildung und für ihren Beruf an andere Orte. Andreas wohnt seit einiger Zeit wieder im Haus.
Christoph studierte Theologie und arbeitete bei der Studentenmission, dem CVJM-Westbund und dann 20 Jahre als Pfarrer in Halver im Märkischen Sauerland. Andreas arbeitete nach seiner Ausbildung zum Diakon in den Bodelschwinghschen Anstalten in Bethel an verschiedenen Stellen in der Krankenpflege und Johannes arbeitet nach dem Studium der Betriebswirtschaft als Professor am MCI – Managementcenter in Innsbruck.
Das Leben im Haus wurde stark davon geprägt, dass schon seit den Anfängen der landeskirchlichen Gemeinschaft in Wemlighausen und der dahinterstehenden geistlichen Bewegung der Glaube eine sehr wichtige Rolle in der Familie spielte. Das verband die Generationen miteinander. Damit war auch ein vielfältiges Engagement in Gemeinschaft, CVJM und Kirchengemeinde verbunden. Dabei spielte die Musik, das Singen im gemischten Chor und das Mitwirken im Posaunenchor eine wichtige Rolle.
Familie Lotze wohnte von 1991 bis 2000 An der Lindenstr. 16, in „Wessehaus“.
Siegfried Lotze * 21.02.1929 + 18.02.2000 und seine Ehefrau Gunhild Lotze geb. Kritzmer * 02.11.1941 + 20.03.2025 in Bad Berleburg, 4 Kinder: Joachim, Dorothea, Eckhard und Almuth.
