

Schäfers
Am Bergesweg 8
Besitzerfolge
Lümmel Ruppel
Rein Jakob
1. Sebastian Keller (Bastian) * ~1594 +1653(?)
⚭ vor 1623 Elisabeth NN *~1598
2. Johannes Dörr (Henchen) *~1613 +1683
⚭ 1643 Elisabeth Keller *~1626 +1697 (Tochter v. 1.)
3. Johannes Keller *~1646 +1697
⚭ 1676 Anna Katharina Schneider *1650 +~1697
4. Johann Georg Keller *~1678 +1700
⚭ 1697 Margarete Elisabeth Fuchs *1673 + unbek.
5. Christian Kroh *1672 +1724
⚭ ~1700 Margarete Elisabeth Fuchs (wie Nr. 4)
6. Georg Hermann Kroh *1681 +1746
⚭ 1720 Anna Elisabeth Keller *1698 +1765 (Tochter v. 4.)
7. Johann Georg Kroh *1725 +1773
⚭ 1747 Anna Elisabeth Fuchs *1715 +1755
⚭ 1757 Elisabeth Gertrud Lückel *1735 +1801
8. Johann Georg Rück *1740 +1810
⚭ 1772 Anna Elisabeth Kroh *1753 +1794 (Tochter v. 7.)
9. Johannes Rück *1776 +1853
⚭ 1797 Anna Elisabeth Dreisbach *1775 +1848 („Anna Katharina“)
10. Johann Georg Rück („Rick“) *1799 +1880
⚭ 1819 Maria Gertrud Lückel *1799 +1869
11. Johann Henrich Rück *1822 + unbek.
⚭ 1851 Maria Elisabeth Afflerbach *1821 +1851
⚭ 1854 Maria Elisabeth Stenger *1825
12. Johann Georg Henrich Rück *02.11.1856 +17.12.1939
⚭ 29.07.1881 Christine Klein (Weidenhausen) *18.11.1857 +18.04.1918
13. Heinrich Rück *14.07.1882 +29.11.1964
⚭ 13.10.1913 Katharina Christine Henk *20.04.1890 (Sassenhausen) +18.03.1963
Kinder:
– Eva Pöppel *17.05.1918 +21.08.2000
– Erna *25.10.1919 +27.08.2002
– Helene Dickel *18.04.1923 +16.03.2002
– Margarete Fischer (Kaspers) *19.05.1927 +04.04.2014
14. Heinrich Grübener *21.03.1920 (Sassenhausen) +21.03.1945 (gefallen in Duna Alinias, Ungarn)
⚭ 16.01.1943 Erna Rück *25.10.1919 +27.08.2002
15. Heinrich Pickhan *12.08.1939 +29.11.2024
⚭ 18.05.1967 Christine Luise Grübener *25.12.1944 +27.03.2024
Kinder:
– Anke *20.05.1968
– Ina *02.06.1971 ⚭ 18.10.1996 Hans Uwe Woithe *13.06.1963 Melbourne
16. Michael Kunze *29.01.1965
⚭ 19.05.1989 Anke Pickhan *20.05.1968
Kinder:
– Marian Heinrich *08.08.1997
– Amelie Christine *08.02.2002
17. Marian Heinrich Kunze *08.08.1997
⚭ 24.08.2024 Celine Walter
Ergänzende historische Hinweise
Ruppel Lümmel und Jakob „auf dem Rain“ finden sich nicht in Kirchenbüchern oder Abgabenregistern, sondern nur im etwa um 1750 angelegten Salbuch.
Bastian Keller war Schäfer in Homrighausen und wohnte um 1650 in Hermann Wetters Haus.
Verwandtschaftliche Beziehungen zwischen Bastian und Johannes Keller sind möglich.
Im Sterberegister 1853 steht, dass Johannes Rück einen Sohn in Schüllar sowie zwei Kinder in Philadelphia hinterlassen hat.
Pfarrer Apollo Kneip notierte zur Namensform:
„Nach Aussage mehrerer Familienglieder ist im Stammhaus, Schäfershaus zu Schüllar, der Name immer Rück geschrieben worden. Als ein Familienglied in Vißhaus heiratete, schrieb er sich zum Unterschied Rick.“
Wittgensteiner Schicksal zur Zeit Napoleons (1811)
Es war an einem stürmischen Herbstabend des Jahres 1811. Mit dem schönen Wetter der letzten Wochen schien es vorbei zu sein. In „Schäfershaus“ zu Schüllar saß in der zu ebener Erde gelegenen großen Wohnstube die Familie beim einfachen Wittgensteiner Abendessen „Quellduffel met Stipp un decker Melche“. Draußen heulte der Sturm und jagte die ersten Regenböen gegen Fenster und Hauswand. Spärlich nur floss die Unterhaltung; die Arbeit auf dem Acker bei Saatbestellung und Kartoffelausmachen macht müde.
Plötzlich schlug der Hofhund einmal kurz und heftig an; gleich danach hörte man ihn winseln und jaulen. Einen Augenblick später ging die Haustür leise, und auf dem „gegrätten Üre“ (Hausflur mit senkrecht gesetzten Steinen in Fischgrätenform) rief jemand mit unterdrückter Stimme: „Hannes, komm mul raus e de Keche!“
Der junge Bauer erhob sich vom Kopfende des Tisches und ging in verhaltener Spannung hinaus, die anderen in begreiflicher Erwartung zurücklassend. Es dauerte nicht lange, da rief der Bauer aus der Küche: „Annekathrine, gück äwemol!“
Anna Katharina, seine Frau, eine geborene Dreisbach aus „Gehrhards“ in Rinthe, eilte hinaus. In der Küche sah sie beim spärlichen Lichte der offenen Herdstelle neben ihrem Manne einen Fremden stehen, der ihren schon nicht kleinen Gatten ein gutes Stück überragte. Er war vollständig durchnässt und trug eine „Kappe“, tief ins Gesicht gezogen. Trotzdem kam er ihr irgendwie bekannt vor.
„Kennst dä?“, fragte ihr Mann. Und als jetzt gerade das Herdfeuer aufflackerte, unterdrückte sie nur mit Mühe einen Schrei, gewarnt von dem erhobenen Zeigefinger ihres Gatten. „Hannhenner, dü?!“ stieß sie leise hervor. „Äs dos da meegllich?! Bu kemmste da her? Hoste Ürlöb?“
„Jo, ech honn Ürlöb, awwer ech honn man sälva genumme!“ Nun stellte sich heraus, dass Johann Heinrich ausgerissen war. Man hatte ihn und seinen jüngeren Bruder Georg Ludwig, beides große, stattliche Burschen, zum Militär gepresst. Johann Heinrich diente beim hessischen Leibregiment in Gießen, wo ein Prinz August von Wittgenstein-Berleburg sein Kompanieführer war.
Von dort hatten ihn die Sehnsucht nach der Heimat und der Zorn darüber, dass zwei Brüder aus einem Hause Soldat für fremde Zwecke werden mussten, zu dem Schritt getrieben. „Junge, wos sall dos gäwe?! Wenn doch insen Vatta noch läwete!“, seufzte Hannes. „Awwa dü host raecht: Es äs e Sünn unn e Schanne, wie ma mett ins verfoare äs, un ech lussen deck nett em Stäch.“
„Frae, mach schwinne wos ze ässe! In der Zeit kann sech da Hannhenner dowe e insa Schlofstuwwe anna Mundür ohziehn.“ Das Essen solle sie hinaufschaffen, aber „nix dränne in der Stuwwe gesaet!“
Schnell hatte Annekathrine Bratkartoffeln und einen Eierpfannkuchen für den Hungrigen bereitet. Nachdem er trockene Kleidung angezogen hatte, aß er kräftig zu. Währenddessen ging sein Bruder zurück in die Wohnstube und bedeutete den Hausgenossen: Es sei jemand gekommen, den man gern habe, aber sie sollten tun, als ob er nicht da sei. Er bleibe in der Weberkammer im oberen Stockwerk.
Hannhenner berichtete später von seiner mühsamen Flucht durchs Hessenland und die Wittgensteiner Berge, oft verborgen in Waldverstecken, nur bei Dämmerung wagte er sich zu Einzelhöfen, wo man ihm Wegzehrung gab.
Wochen vergingen. Hannhenner war die Enge der Kammer leid, wagte sich bisweilen herunter an den Tisch. Auch sein Freund aus „Kaspers“ besuchte ihn heimlich. Doch im Dorf bleibt nichts lange verborgen.
Eines Tages saß die Familie beim Mittagessen, Hannhenner hinter dem Tisch auf der Bank. Da rannte der Freund um die Ecke, klopfte hart ans Fenster und rief: „Hannhenner, se komme!“
Hannhenner sprang auf, setzte über den Tisch, stürmte durch den Stall ins Freie und in den Hohlweg hinter dem Haus. Er verschwand im hohen Ginster des „Hebche“. Kurz darauf standen ein Offizier und mehrere Soldaten in der Tür:
„Wo ist der Johann Heinrich Rück?“
„Der ist doch nicht hier!“
Der Offizier schlug mit dem Säbel auf den Tisch: „Er war hier! Es ist nur Euer Schaden, wenn Ihr ihn verschweigt!“
„So wisst ihr mehr als ich – so sucht ihn!“
Haus, Stall und Scheune wurden durchsucht. Man stach mit Säbeln in das Heu – fand ihn aber nicht. Als die Soldaten über den gleichen Hohlweg abzogen, lag Hannhenner nur wenige Meter entfernt im Ginster versteckt.
Doch die Angst blieb. Hannhenner verbarg sich noch oft im Gebüsch, wenn ihm die Lage gefährlich erschien.
Als später Napoleon einen „Generalpardon“ für geflohene Soldaten erließ, sofern sie sich stellten, ging Hannhenner schweren Herzens zurück zum Regiment. Er sah Schüllar nie wieder.
Im Frühjahr 1812 zog Napoleon gegen Russland. Unter den 200.000 Deutschen, die in den Eisfeldern Russlands litten und starben, waren auch die beiden Rück-Brüder aus Schäfershaus. Keiner kehrte heim – sie starben fernab der Heimat für fremde Machtgelüste.
– Heinrich Fuchs (aus: Wittgensteiner Heimatbuch I)
