Zeitzeugenberichte und ErinnerungenBau der Stütz- und Schutzmauer „Unterm Rain“
In den fünfziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts wird in Wemlighausen sehr viel Geld in den Wege- und Straßenbau investiert. Ende der 1950-er Jahre ist es auch „Unterm Rain“ so weit. Das Marienwasser, ein ca. 11 km langer Bach, schlängelt sich von Osten kommend durch Wemlighausen und mündet in Schüllarhammer in die Odeborn. Von der Quelle bis etwa Höhe der Zuflüsse Rüsselsbach, Winterbach wird das Marienwasser, Schwarzenau benannt. Wasser bedeutet Leben und ist ein Segen für Flora und Fauna. Für die Menschheit ist Wasser lebenswichtig, besteht der Mensch doch zu 60 bis 70 Prozent aus Wasser. Wasser ist die Grundlage allen Lebens und bedeutet für Regionen mit vielen Gewässern auch Reichtum. Wasser hat aber auch andere Seiten. Bereits zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts wurde der Bachlauf des Marienwassers renaturiert und begradigt und die Ufer der Auen befestigt, um Schäden bei Hochwasser zu vermeiden. Nach Schneeschmelze oder Starkregen, verbunden mit einem hohen Wasserpegel kam es in den nachfolgenden Jahren aber dennoch stets zu erheblichen Schäden durch Wegreisen der Uferbefestigungen, sodass 1939 erneut die Wiesenufer befestigt werden mussten. Die Wege, die im Dorf an den Bach angrenzten, waren damals nicht durch Geländer oder sonstige Maßnahmen gesichert.

Es wurde immer wieder von Unfällen, ob zu Fuß oder per Rad, berichtet. Nach der Einkehr beim Kellerwirt oder am Stein (Gastwirtschaft) musste man schon sehr auf der Hut sein, war es doch mit der Beleuchtung der Straßen nicht so weit her, wenn man im Dunkeln, nach Stärkung durch geistige Flüssigkeiten, nach Hause marschierte. Gefahren die man nicht unterschätzen durfte, insbesondere wenn der Wasserstand hoch war. Ein hoher Pegel war in der Regel auch gleichbedeutend mit nassen und matschigen Straßen. Für die Bewohner entlang des Rains gab es mehrere Einstiegsstellen vom Gängelchen bis zum Haus Gundermann. Es war einfach sich am Bach zu bedienen. Wasser für die Wäsche, für das Vieh und auch für ein rasches Fußbad. Für Leichtathletikübungen war der Bach sehr geeignet, konnten sich die Jugendlichen doch im Weitsprung über den Bach messen. Einige Male gab es auch nasse Füße. Manchmal wurde das Marienwasser gestaut und man hatte eine kleine Badeanstalt. Bereits zu früheren Zeiten gab es schon sehr heiße Sommer und der Bau von kleinen Dämmen im Bach wurde durch die Feuerwehr zum Brandschutz angeordnet.
Das ortsansässige Bauunternehmen Aderhold wurde mit dem Bau der Stütz- und Schutzmauer beauftragt. Wie aus Aufzeichnungen hervorgeht war es ein sehr heißer Sommer und die Bauarbeiten kamen sehr zügig voran und die Baumaßnahme konnte 1959, einschließlich Geländer beendet werden. Leider gibt es vom Bau des Mauerwerks keine Fotoaufnahmen.
Die Straße „Unterm Rain“ wurde in diesem Zuge, zur Freude der Anwohner, asphaltiert.


An einem sehr warmen, sonnigen Tag im April 2009 beschlossen einige Bewohner der Straße, das 50-jährige Bestehen des Mauerbauwerks zu feiern. Aber wie?
Nach einem Vorschlag von Heinrich Wahl wurden historische Fotos aus den Familienalben der Bewohner der Straße gesammelt und während mehrerer Fotoabende mittels Beamer und Leinwand im Vereinshaus der Ev. Gemeinschaft im Gängelchen präsentiert. Es kamen immer mehr Fotos zusammen. Ein vorläufiger Höhepunkt war der Fotoabend mit „Rain in Flammen“ am 20. November 2010. Für den Aufbau der Illumination waren Claudia und Michael verantwortlich. Die Beleuchtung des Mauerwerks, vom Gängelchen bis Anstreichers, hatte bis in die frühen Morgenstunden angehalten.
Im Dezember 2010 wurde ein Fotobuch für die beteiligten Familien hergestellt. Dieses Buch war und ist lediglich für die mit Fotos beteiligten Anwohner und ehemalige Bewohner, als Erinnerung, gedacht.
Im Februar 2012 wurden die Bäume entlang der „Enes-Wiese“ durch den Bauhof der Stadt Berleburg zurechtgestutzt. Im Sommer 2012 bis 2013 wurden lose und verlorengegangene Steine, hervorgerufen durch heftige Strömung, in der Mauer befestigt und ersetzt. Die Fugen des Mauerwerks wurden von Pflanzen und Gebüsch befreit und erneuert.


Durch die reißenden Fluten bei Hochwasser und die Kanalisierung im Bereich des Dorfes gräbt sich das Bachbett immer tiefer und die Fließgeschwindigkeit des Marienwassers wird immer höher. Dies lässt sich sehr gut am Mauerwerk und an der Mündung in die Odeborn in Schüllarhammer beobachten. Daher kommt es auch immer seltener zu Überflutungen der angrenzenden Auenlandschaften. Ob die Mauer ihr 100-jähriges Jubiläum erleben wird? Vielleicht, vielleicht auch nicht.

Artikel aus dem Kreisblatt vom 6. Sept. 1905
…die Herausforderungen Unterm Rain bestanden schon über Jahrzehnte…

Text: Heinrich Althaus
Quellen:
Historisches Foto: Sammlung Heinrich Wahl
Foto Rain in Flammen: Sven Althaus
Alle anderen Fotos: Heinz Althaus.
Wittgensteiner Kreisblatt
National-Zeitung, Heimatliches
Erzählungen und eigene Aufzeichnungen
